Kleine Geschichtsstunde

Einer Sage nach entstand diese Kunst in China, dem Reich der Mitte. Dort wurde im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt die Papierherstellung entwickelt, die Grundlage einer jeden Karte.

Aus dem Orient kam die Kartenlegekunst erst gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts auch nach Europa. Geistige und Obrigkeiten verteufelten das Wahrsagen mit Hilfe von Karten zu dieser Zeit und stellten es unter hohe Strafen.

Bereits im vierzehnten Jahrhundert ließ sich der Adel durch Seherinnen und auch Kartenlegerinnen beraten und unterhalten, zumeist jedoch im verborgenen und von der Kirche nicht toleriert.

Anerkennung und Hoffähigkeit für die Kartomantie erreichte erst Mdm. Lenormand, die am Hofe Napoleons für ihre treffsicheren Weissagungen vom höchsten Adel hofviert wurde.

Napoleons Sturz, den sie vorhergesagt hatte, brachte ihr allerdings die Verbannung ein.

„Denn ich sage euch Allen, die ihr lächelt und mich bereits durchdringen wolltet. Wenn wir uns nicht aufrichtig an die erhabene Familie anschließen, welche uns regiert, wenn wir uns nicht gegenseitig unsere Beleidigung vergeben, wenn wir nicht alles bisher begangene Unrecht vergessen, ach, dann wird Frankreich, das alte Frankreich, bald aus der Reihe der Nationen verschwinden.“ (Textquelle: Nr. 3 „Die Weissagung der Marianne Lenormand“)

In den „Weissagungen der Marianne Lenormand“ findet man auch Textstellen, die an die Symbole auf den Karten erinnern. So wird zum Beispiel eine Zeit des Friedens als „...und die Lilien werden wieder blühen...“ umschrieben. So ist die Aussage der Karte Nr. 30 – die Lilie - im kleinen Deck der Lenormandkarten, Symbol für Harmonie, Frieden, Familie und Sexualität.

Marie Anne Lenormand wird 1772 als älteste von insgesamt drei Geschwistern geboren. Da beide Eltern früh sterben, wird das rebellische Kind in eine Klosterschule gegeben. Schon früh erlernt sie das Kartenlegen und Handlesen, hat Visionen und medialen Kontakt mit dem Engel Idrael.

Über Umwege gelangt die junge Marianne im Alter von vierzehn Jahren nach Paris, wo sie unter anderem auch Unterricht in Mathematik und Astrologie erhält, was damals für ein Mädchen völlig unüblich war. Ungefähr ein Jahr später führt sie ihr Lebensweg nach London, wo sie sich als Wahrsagerin bereits einen Namen macht und ihre Studien vertieft. Nachdem sie London nach kurzer Zeit wieder verlässt, kehrt sie nach Paris zurück, wo sie auch den Rest ihres Lebens verbringt. In ihren – von der Kirche nicht anerkannten – Visionen beschäftigt sie sich überwiegend mit der politischen Situation Frankreichs. Bereits während der französischen Revolution betätigt sie sich als Wahrsagerin.

Marie Anne Lenormand bleibt unverheiratet. Auch hierdurch setzt sie sich deutlich über die damals gängige Denkweise hinweg, wodurch sie vielen Anfeindungen ausgesetzt ist.

Trotz Gefängnisaufenthalten und teilweise öffentlichen Ächtungen bleibt sie sich und ihren Ansichten immer treu. Sie versammelt Schüler um sich und verbreitet so ihr Wissen und ihre Weisheit.

Durch ihre Beratertätigkeit am Hofe Napoleons gelangt sie schließlich zu Reichtum und Ruhm um als die „Sybille von Paris“ in die Geschichte einzugehen.

Auch heute noch ist Madame Lenormand eine der größten Wahrsagerinnen – nicht nur ihrer Zeit!